Ergonomische PC-Ausstattung ist teuer – so gelingt die Kostenübernahme

Frau mit Rückenschmerzen am Schreibtisch

Die meisten Arbeitnehmer verbringen vierzig Stunden pro Woche im Büro – Überstunden nicht mit eingerechnet. Ein nicht unwesentlicher Teil dieser Zeit wird vor dem PC verbracht. Nicht immer sind die dabei verwendeten Werkzeuge unter ergonomischen Gesichtspunkten ideal gestaltet.

Gesundheitsgefahren bei der Arbeit am PC

Das lange Sitzen vor dem Computer, vor allem in Fehlhaltungen, und sich wiederholende, monotone Bewegungen können Schäden am Bewegungsapparat hervorrufen. Diese sind im schlimmsten Fall bleibend und können zu starken Schmerzen oder sogar zur Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers führen.

Speziell durch die Verwendung einer nicht ergonomischen Maus oder Tastatur am Arbeitsplatz kommt es häufig zur Sehnenscheidenentzündung aufgrund von Überlastung und Fehlhaltung des Handgelenks. Geht diese in die chronische Form über, das RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury), ist sie nicht mehr vollständig heilbar.

Arbeitsschutzgesetz: Die Pflichten des Arbeitgebers

Es ist nicht nur im Sinne des Arbeitgebers, sondern auch seine Pflicht, für die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit seiner Mitarbeiter Sorge zu tragen. Das Arbeitsschutzgesetz gibt vor, welche Maßnahmen der Arbeitgeber zu ergreifen hat, um sowohl Unfälle als auch weitere körperliche und psychische Schädigungen des Arbeitnehmers zu vermeiden. Außerdem greift bei der Arbeit am PC die Bildschirmarbeitsverordnung.

Ergonomische Büromöbel wie höhenverstellbare Tische oder geeignete Bürostühle muss der Arbeitgeber auf jeden Fall zur Verfügung stellen.

Schwieriger wird es mit der technischen Ausstattung, da es hier kaum klar definierte Kriterien gibt, welche Geräte als ergonomisch zu bewerten sind. Auch wird auf die Beschaffenheit der Maus – im Gegensatz zu Möbeln, Bildschirm und der ergonomischen Tastatur – in den gesetzlichen Grundlagen nicht explizit eingegangen, obwohl Kriterien zur Ergonomie existieren. Eine ergonomische Maus am Arbeitsplatz ist daher leider keine Pflicht, sondern lediglich die Kür, die immerhin in einigen verantwortungsbewussten Unternehmen standardmäßig zur Verfügung gestellt wird.

Betriebsbegehungen, etwa durch den zuständigen Betriebsarzt mit arbeitsmedizinischer Fachkunde, können dabei helfen, Schwachpunkte in Sachen Ergonomie und somit Quellen physischer Belastungen aufzudecken. Im Falle von Beschwerden, die bei einem Arbeitnehmer konkret auftreten, ist auch eine Einzelplatzbegehung möglich.

Die Krankenkassen tragen die Kosten nicht

Auch wenn eine Übernahme der Kosten für eine ergonomische Maus im Büro durch die Krankenkasse wünschenswert wäre, so gibt es diese leider nicht einfach auf Rezept. Der Maus-Arm beziehungsweise das RSI-Syndrom sind nicht als Berufskrankheiten anerkannt. Weder gesetzliche noch private Krankenkassen übernehmen oder erstatten daher die Kosten für das Eingabewerkzeug.

Rehabilitation macht die Kostenübernahme möglich

Die „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“, kurz LTA, sind für einen Teil der Arbeitnehmer der Schlüssel zur Erstattung der Kosten für eine ergonomische Maus. Häufig allerdings erst dann, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Insbesondere dann, wenn bereits einschlägige Schädigungen vorliegen, sollten die Kosten für die Maus im Normalfall vom jeweiligen Kostenträger übernommen werden.

Diese Regelung dient grundsätzlich dazu, die berufliche Wiedereingliederung eines Arbeitnehmers nach Krankheit beziehungsweise Unfall und anschließender Rehabilitation zu ermöglichen. Auch der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und des Arbeitsplatzes ist ein erklärtes Ziel und bietet einen guten Ansatzpunkt für einen Antrag auf eine ergonomische Maus, noch bevor schwerwiegende gesundheitliche Probleme auftreten.

Welche Institution hierbei im Detail als Kostenträger zuständig ist, richtet sich nach dem jeweiligen beruflichen Status des Arbeitnehmers und ist genau festgelegt.

Für den sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer sind je nach Beschäftigungsdauer zwei unterschiedliche Institutionen der erste Ansprechpartner. Nach mindestens 15 abgeschlossenen Jahren versicherungspflichtiger Beschäftigung tragen die Rentenversicherungen die Kosten; außerdem dann, wenn eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit bereits gezahlt wird oder ohne diese Leistung gezahlt werden müsste, sowie wenn die Rentenversicherung bereits die Reha-Kosten übernommen hat und sich die zu übernehmende Leistung unmittelbar daran anschließt und für die Teilhabe am Arbeitsleben erforderlich ist.

Bei 15 und weniger Beschäftigungsjahren übernimmt analog das Arbeitsamt die Erstattung.
Für Studierende und Beamte sowie in bestimmten Sonderfällen sind die Landeswohlfahrtsverbände zuständig.
Eine untergeordnete Rolle dürften bei der Beantragung einer ergonomischen Maus die Berufsgenossenschaften und gesetzlichen Unfallversicherungen spielen. Diese springen insbesondere nach Arbeitsunfällen und Wegeunfällen ein, allerdings auch beim Vorliegen einer Berufskrankheit – als solche ist das RSI-Syndrom aber nicht anerkannt.

Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, einfach einmal die Beratungsstellen der Kostenträger oder die „Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation“ zu kontaktieren, um Chancen und Vorgehensweise für eine mögliche Erstattung der Kosten für eine ergonomische Maus abzuklären und den möglichen Kostenträger in Erfahrung zu bringen.

Bei der Stellung eines Antrags auf Kostenübernahme für die Maus oder entsprechende weitere Hilfsmittel im Rahmen der Rehabilitation ist Schnelligkeit gefragt. Denn die Antragstellung muss der tatsächlichen Anschaffung zeitlich vorausgehen, um den Anspruch nicht zu verwirken.

Für den Antrag sind folgende Unterlagen notwendig:

  • ein fachärztliches Attest, das feststellt, dass die ergonomische Maus zur weiteren Ausübung der Tätigkeit notwendig ist; alternativ der Entlassungsbericht der Reha-Klinik
  • eine ausführliche Beschreibung des Tätigkeit des Arbeitnehmers
  • der Kostenvoranschlag vom Fachhändler für das Eingabegerät
  • der ausgefüllte eigentliche Antrag, der vom Kostenträger selbst zur Verfügung gestellt wird und inklusive möglicher weiterer Fragebögen sorgfältig ausgefüllt werden sollte

Da der Arbeitnehmer persönlich den Antrag auf die ergonomische Maus fürs Büro stellt und diese auch speziell für seinen Fall bewilligt bekommt, ist sie in der Folge sein Eigentum und nicht das der Firma, für die er arbeitet. Bei einem Wechsel des Arbeitgebers kann er sie daher mitnehmen und auch am neuen Arbeitsplatz einsetzen. Ein mehrmaliger Papierkrieg bleibt ihm also erspart. Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es hier der deutschen Rentenversicherung.

Die richtige ergonomische Maus ist eine individuelle Angelegenheit

Bei der Auswahl des neuen ergonomischen Eingabegerätes ist intensives Testen wichtig, damit kein Gerät bezuschusst wird, das neue Beschwerden hervorruft. Ergonomische Mäuse sind in unterschiedlichen Ausführungen, Größen und Formen erhältlich; ebenso sollten alternative Geräte wie ein Trackball, ein Grafiktablett oder ein Touchpad in Betracht gezogen werden.

Wichtig ist auch, dass mit dem neuen Gerät schnell wieder intuitiv gearbeitet werden kann. Bitte beachten Sie dazu unsere aktuellen Testberichte aus dem Jahr 2015.

Die eigene Gesundheit hat Priorität

Im Zweifelsfall sollte – auch wenn keine Kosten für eine ergonomische Maus übernommen werden sollten – die Gesundheit an oberster Stelle stehen.

Fragen kostet nichts! In diesem Sinne lohnt es sich immer, beim eigenen Arbeitgeber einmal nachzufragen, ob er die Kosten für den Kauf einer ergonomischen Maus oder auch anderer gesundheitsfördernder Geräte und Möbel freiwillig übernimmt. Schließlich ist auch die Bitte um ein Firmenhandy oder einen Firmenwagen je nach Position Normalität.

In der Praxis kommt es häufig vor – auch aus Gedankenlosigkeit oder mangelndem Bewusstsein des zuständigen Mitarbeiters – dass der Arbeitsschutz zu kurz kommt. Manch ein Betrieb ist dankbar, wenn von Miterbeiterseite entsprechende Verbesserungsvorschläge kommen.

Um den Wunsch dem Vorgesetzten schmackhaft zu machen, kann man argumentieren, dass man dem Unternehmen mit seiner ganzen Arbeitsleistung zur Verfügung stehen will. Niemand wünscht sich den krankheitsbedingten Ausfall seines Mitarbeiters bei voller Bezahlung.

Sollte weder der Arbeitgeber noch ein entsprechender Träger einer Kostenübernahme für die ergonomische Maus zustimmen, so bleibt dem gesundheitsbewussten Arbeitnehmer noch die Möglichkeit, das Gerät zähneknirschend auf eigene Kosten anzuschaffen. Das mag ärgerlich sein, aber die finanziellen Einbußen sowie die verringerte Lebensqualität aufgrund von Krankheit oder sogar Berufsunfähigkeit übersteigen den Nachteil dieser überschaubaren einmaligen Anschaffungskosten bei Weitem.

Ein Kommentar zu “Ergonomische PC-Ausstattung ist teuer – so gelingt die Kostenübernahme
  1. Heidi sagt:

    Der Beitrag ist sehr informativ, vor allem die Behördengänge werden exakt beschrieben. Vielen Dank ich werde auf diese Seite wieder zugreifen.

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